Gliederung

Zur althochdeutschen Zeit- und Dialektgliederung. Eine computergestützte Untersuchung auf Grundlage der textlichen Überlieferung

Dissertation Dr. Roland Mittmann (Goethe-Universität Frankfurt am Main)

In der Dissertation wird die zeitlich-dialektale Zuordnung der althochdeutschen Textdenkmäler teilautomatisiert nachgeprüft und ergänzt. Hierzu wurden auf Grundlage der ELAN-Daten des Referenzkorpus Altdeutsch v0.1 allen althochdeutschen Texten mithilfe der Lemmata und der morphologischen Angaben normalisierte Wortformen hinzugefügt. Auf Grundlage von – v.a. auf Basis der größeren Werke erstellten – Referenzgrammatiken wurden Regeln für die zeitlich-dialektale Zuordnung der unterschiedlichen Repräsentationen von Graphen und Endungen des Althochdeutschen aufgestellt und für jeden Text Graph für Graph angewandt.

Abbildung Dialektgliederung So wurden die Übereinstimmungsgrade mit den verschiedenen Zeit-Dialekt-Räumen zunächst für die größeren Werke ermittelt, um die Anwendbarkeit der Untersuchungsmethode zu bestätigen. Anschließend wurden die Übereinstimmungsgrade für die kleineren Texte errechnet und die Ergebnisse mit dem Forschungsstand abgeglichen. Bei Verdacht auf Dialektmischung in einem Text wurden zudem mithilfe einzelner Regelanwendungen die mindestens enthaltenen dialektalen Komponenten ermittelt.

Bei der Erstellung der Regeln für die zeitlich-dialektale Zuordnung der Graphe wurden diese bei Vokalen nach Präfix, Tonsilbe, Mittelsilbe und Endsilbe, bei Konsonanten nach Anlaut, Inlaut und Auslaut gegliedert. Untersucht wurden neben den althochdeutschen Dialekten Alemannisch, Bairisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch und Mittelfränkisch auch Übereinstimmungen mit den westgermanischen Nachbarsprachen Langobardisch, Altniederfränkisch und Altsächsisch. Die zeitliche Gliederung erfolgte in 50-Jahres-Abschnitte von 750 bis 1150, sodass auch Übereinstimmungen mit dem frühen Mittelhochdeutschen noch berücksichtigt sind.

Nicht nur bei den größeren, sondern auch bei fast allen der kleineren Texte war es möglich, mehr als 95 Prozent der Grapheme anhand der Regeln zwischen überlieferter und idealisierter Textfassung zuzuordnen. Auf dieser Grundlage konnten für 28 Textdenkmäler neue Erkenntnisse zur zeitlich-dialektalen Zuordnung ermittelt werden.

In der Dissertation werden für jeden Text die Referenzausgabe sowie die zugrundeliegende Handschrift aufgeführt und die bisherigen Aussagen zur zeitlich-dialektalen Zuordnung referiert. Anschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung tabellarisch dargestellt und in Beziehung zum Forschungsstand gesetzt, im Falle der größeren Werke auch für einzelne Textteile.

Die Arbeit erscheint voraussichtlich Ende 2019 in der Reihe “Studien zur historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft” (SHVS) des Baar-Verlags.